Pro Infirmis - Navigation

Dienstag 07. Juni 2016 15:55Alter: 320 days

Selbstbestimmt oder selbstgerecht?

Kommentar von Mark Zumbühl, Mitglied der Geschäftsleitung Pro Infirmis

Am 20. Mai lancierte Pro Infirmis eine neue Folge ihrer Kampagnen-Arbeit. «Angst lähmt» ist der Titel der Sensibilisierungskampagne zum Thema Angststörungen, von denen in der Schweiz 800'000 Menschen betroffen sind.
Schon kurz nach dem Start erreichten uns zahlreiche Reaktionen. Fast ausnahmslos positive Reaktionen. Mit einer Ausnahme. Sie stammte von Selbstbestimmung.ch, respektive deren Exponenten David Siems. «Wie die meisten Pro Infirmis-Kampagnen zeigt uns auch diese das Elend und nicht die Perspektive», weiss Siems zu berichten.  Und in einem anderen Kommentar schreibt er: «Jetzt muss ich mich wieder entscheiden, ob und warum ich das gut oder schlecht finden soll.» Herr Siems ist im Dilemma. Er gesteht «…ich finde es falsch, es einfach mal aus Prinzip schlecht zu finden, nur weil es von Pro Infirmis kommt.» Doch ganz lassen kann er es dann doch nicht, das Schlechtfinden: «Musik und Atmosphäre wie immer unnötig tränendrüsendrückerisch, was für die Sache auf jeden Fall kontraproduktiv ist.» Er scheint es zu wissen, deshalb «auf jeden Fall».
Doch wenden wir uns den Reaktionen zu, die tatsächlich selbst-bestimmt sind, weil selbst-erfahren und nicht einfach selbst-gerecht.

«Ich kann nicht in Worte fassen, wie glücklich es mich macht, dass Sie sich auch für Menschen mit psychischen Behinderungen stark machen. Ich leide seit Jahren an einer Angtstörung, welche es mir schier unmöglich gestaltet, das Haus zu verlassen. Besten Dank für Ihr Engagement». –

«Ich wollte Ihnen nur gratulieren zu Ihrem Video betreffend Angststörungen. Ich habe selber unter diesem Syndrom gelitten und kann Ihnen bestätigen, dass der Film sehr gut ausdrückt und verständlich macht, was in solchen Momenten in einem Menschen vorgeht.» -

«Ich möchte mich bei Ihnen bedanken für die Kampagne über Angststörungen. Ich wurde über den Beitrag in der 20 Minuten Zeitung aufmerksam. Da ich selber betroffen bin weiss ich, wie man sich fühlt. Der Film ist sehr gut gemacht und regt zum Nachdenken an. Ich bin im Aufbau einer Selbsthilfegruppe im Raum Berner Oberland. Es ist schwer, Mitglieder zu finden, die sich trauen, vor die Türe zu gehen und Betroffene zu treffen und darüber zu reden. Es ist leider immer noch ein Tabu-Thema, aber dank Ihrer Kampagne werden mehr Menschen darauf aufmerksam.» -

«Ich bin eine unter 800'000, jedoch wollte ich Ihnen unbedingt mitteilen, wie sehr mich der Kampagnenfilm zum Thema Angststörungen berührt hat. Ich habe selten eine so gute Darstellung der Gefühle gesehen, die ein Mensch hat, der mit Angst lebt. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle danken, dass Sie das Thema aus der Tabuzone rausholen und die Menschen darauf aufmerksam machen, dass Leute, die unter Angststörungen leiden, keine Kranken sind, sondern einfach nur Verständnis brauchen. Es ist Ihnen wirklich sehr gut gelungen. Danke dafür.» -

«Gerade heute Morgen hatte ich eine Klientin in der Beratung mit Angststörungen. Ich habe ihr den neuen Kampagnenfilm gezeigt und sie war berührt und gleichzeitig begeistert, wie gut der Film die Gefühle der Betroffenen sichtbar macht. Sie lässt den Machern des Films gratulieren und wird mithelfen, ihn zu verbreiten. Wenn sie als Betroffene in irgendeiner Form zum Erfolg der Kampagne beitragen könne, wäre sie gerne dazu bereit.» -

«Mit Freude und Erleichterung habe ich von der neuen Pro Infirmis-Kampagne zu Angststörungen vernommen. Ich bin selber von verschiedenen Formen davon betroffen. Eine spezifische und eine soziale Phobie habe ich mittlerweile überwunden, aber noch immer begleiten mich für Aussenstehende schwer verständliche Ängste. Ich habe dieses Unverständnis selber oft erlebt und bin zur Überzeugung gelangt, dass man diese nur aus der Welt räumen kann, wenn man über Angststörungen spricht. Das ist keine leichte Aufgabe, besonders wenn man selber davon betroffen ist. Oft wird es als Ausrede für unmögliches egoistisches Verhalten verstanden. Deshalb finde ich, dass wir umso mehr darüber sprechen müssen, damit niemand mehr alleine mit dieser Erklärung dasteht. Ich schreibe Ihnen nun, weil ich mich gerne zur Verfügung stellen würde, falls Sie irgendwo eine betroffene Person brauchen können, die öffentlich Stellung nimmt. Viel Erfolg mit der Kampagne und freundliche Grüsse.» -

«Herzlichen Dank für die tolle Kampagne. Ich habe auch eine Angststörung und rede ständig in meinem Umfeld darüber. Ich kriege ständig Ratschläge, nicht über meine Krankheit zu reden, schon gar nicht mit meinen Kunden, Mitarbeitern oder Ämtern. Ich mach’s trotzdem, denn auch wir haben Platz und ich finde auch für uns sollte wenigsten Verständnis da sein. Es ist schön, dass Sie diese Kampagne gestartet haben, denn endlich wird sensibilisiert. Es ist schwer, wenn Leute einem vorwerfen, man habe ja eigentlich gar nichts und solle sich nicht so anstellen. Und das auszuhalten ist auch anstrengend. Ich wollte nur sagen: Vielen lieben Dank, dass Sie an solche Menschen wie mich denken.» -

«Als Selbstbetroffene hat mich dieser Spot innigst berührt. Ich möchte dem Team und den Schauspielern von Herzen danken. Auch ich werde diese brilliante Kampagne weiterstreuen.»-
«Zuerst möchte ich Ihnen und Pro Infirmis ein Kompliment aussprechen: ich freue mich sehr, dass Ihre neuste Kampagne die unsichtbare Behinderung rund um Angst und Panikstörungen thematisiert. Denn ich weiss aus eigener Erfahrung, wie quälend und anstrengend es sein kann, damit zu leben, da ich seit 30 Jahren davon betroffen bin. Trotz zahlreichen Versuchen mit Komplementärmedizin, unzähligen Therapiestunden und jahrelangem Schlucken von SSRIs bin ich meine Angststörungen nie wirklich losgeworden. Auch wenn ich heute relativ gut mit meiner Angststörung leben kann, gibt es immer noch Situationen, die ich nicht meistern kann und die meinen Lebensalltag massiv einschränken.»-

«Ich musste gerade so weinen… genau so fühlt es sich an…jeden Tag.»-

«Ich möchte Ihnen vor allem für den Kurzfilm ein grosses Lob aussprechen.»-

«Ich kontaktiere Sie wegen der neuen Kampagne. Ein Verwandter von mir leidet seit Jahren an einer sozialen Phobie, und dank der Kampagne fühlt er sich endlich motiviert, professionelle Hilfe anzunehmen. Dies wird sein Leben und das seiner Familie erleichtern. Danke für die tolle Kampagne.»
(Aus Persönlichkeitsgründen wurden die Namen der Schreibenden weggelassen)


Zusatzinformation

Kantonale Angebote

Sie möchten

Share |
Spendenkonto: 80-22222-8