Weitere Informationen zur Behindertensession

Informationen zum Wahlverfahren

Am 24. März findet die erste Behindertensession der Schweiz statt. An dieser wird ein im politischen Alltag untervertretener Teil der Bevölkerung zu Wort kommen. Inhaltlich wird es um die politische Teilhabe und die Zugänglichkeit zu politischen Strukturen für Menschen mit Behinderungen gehen. Eine Zielsetzung der Behindertensession ist es, sichtbar zu machen, dass es unterschiedlichste Menschen mit Behinderungen gibt, die kompetent und bereit sind, gewählt zu werden und ein politisches Amt anzutreten. Darum ist es wichtig, dass auch innerhalb der Behindertensession die Repräsentation verschiedener Gruppen minimal gewährleistet ist. Eine breite Vertretung von verschiedenen Personengruppen an der 1. Behindertensession ist wesentlich, damit auch die verabschiedeten Inhalte breit getragen werden und so die nötige politische Kraft entwickeln können.

Ergebnis

Die Wahl hat ein ausgewogenes Resultat der Parlamentarier*innen ergeben. Das Wahlresultat wurde lediglich entsprechend der Verteilung der Sprachregionen angepasst, damit keine Übervertretung der Deutschsprachigen Schweiz herrscht. Im Hinblick auf die Behinderungsarten und das Geschlecht wurden keine Anpassungen vorgenommen.


Warum der Titel «Behinderten»-Session?

Die «Behindertensession» ist eine Spezialsession für Menschen mit Behinderungen. Der Name wurde von der vorbereitenden Kommission, bestehend aus Selbstvertreter*innen sorgfältig bedacht und bewusst so gewählt. Er geht von einer gesetzlichen und sprachlichen Realität aus: Das «BehiG» ist das «Behindertengleichstellungsgesetz», die UN-BRK ist die «Behindertenrechtskonvention».

Der Titel soll direkt sein, nicht verstecken und aufhorchen lassen und verfolgt drei Ziele: Erstens zeigt er unmissverständlich auf, worum es bei diesem Anlass geht: Menschen mit Behinderungen werden durch die Gesellschaft und ihre Normen an der politischen Teilhabe gehindert. Dies kann und muss sich ändern. Zweitens soll das Thema «Behinderungen» nicht versteckt, sondern diskutiert und enttabuisiert werden. Und drittens soll der Name einen Anstoss geben, den Sprachgebrauch in diesem Thema zu reflektieren. 

Die mögliche Verwirrung oder Provokation durch den Begriff «Behinderte» wird also bewusst in Kauf genommen. Denn sie entsteht nur, solange das Thema negativ behaftet ist oder gar tabuisiert wird. Dies ist kontraproduktiv, denn es ist wichtig, dass bestehende Behinderungen anerkannt und Menschen mit Behinderungen als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft gesehen werden. Nur wenn Themen beim Namen genannt werden, können sie auch angegangen werden.

Wann werden wir als Gesellschaft soweit sein, dass wir aufhören, verkrampft und unbeholfen Euphemismen wie Einschränkung und Beeinträchtigung für den Begriff Behinderung zu verwenden? Eine Einschränkung ist es, wenn ich im Laden keine Mayonnaise mehr kaufen kann. Eine Beeinträchtigung ist ein Stau. Wenn wir für Gleichstellung und damit einhergehend einen Nachteilsausgleich argumentieren, ist es doch mehr als kontraproduktiv Begriffe zu verwenden die nicht eindeutig sind. Wer Behinderung als Teil menschlicher Vielfalt und nicht etwas Negatives, Defizitorientiertes, oder gar eine Anomalie versteht, hat keinen Grund den Begriff «Behinderungen» zu ersetzen.
- Matyas Sagi-Kiss


Ein guter Fünftel der Schweizer Bevölkerung

An der Behindertensession nehmen die Teilnehmenden 22% der Sitze des Nationalrats ein. Dies entspricht dem Anteil an Menschen mit Behinderungen in der Schweizer Bevölkerung über 16 Jahre.

Überraschende Zahl

Ein guter Fünftel der Menschen in der Schweiz lebt mit einer Behinderung. Dies mag überraschen. Es gibt jedoch viele Gründe, weshalb die Zahl der Menschen mit Behinderungen oft unterschätzt wird: Viele Menschen mit Behinderungen leben nicht inmitten der Gesellschaft, sondern in Parallelstrukturen. Aufgrund zahlreicher Barrieren können sie nicht im selben Masse am öffentlichen Leben teilnehmen, wie andere Menschen. Darum werden sie im Alltag von vielen Menschen nicht wahrgenommen. Zudem sind viele Behinderungen unsichtbar, wie psychische oder kognitive Behinderungen, die einen grossen Anteil ausmachen.

Grosse Bandbreite

5% der Schweizer Gesellschaft sind stark eingeschränkt im Alltag. Es ist fraglich, wie viele der übrigen 17%, die sich als weniger stark eingeschränkt bezeichnen, sich selbst oder auch von aussen als «Menschen mit Behinderungen» gesehen werden. Das Stigma des Begriffs «Behinderung» und die Relation mit vergleichsweise «schwereren» Behinderungen führen zu dieser Abgrenzung: Im Vergleich mag es beispielsweise anmassend erscheinen, wenn Menschen mit einer leichten Hörschwäche sich zur selben Gruppe zählen, wie Menschen, die gehörlos sind.

Gemeinsame Ziele

Doch eine Aufteilung der 22% in unterschiedliche Schweregrade oder Behinderungsarten ist kontraproduktiv. Gemeinsam ist diesen 22%, dass sie an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben behindert werden. Wenn diese Menschen zusammenstehen, und gemeinsam gegen unterschiedliche Barrieren und das Stigma ankämpfen, erreichen sie mehr. Darum symbolisiert die Behindertensession diesen Fünftel der Schweizer Bevölkerung, ohne den Anspruch einer präzisen Repräsentation zu haben.

Wie ist die Zahl zustandegekommen?

Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat 2019 zum letzten Mal in einer repräsentativen Befragung bei Personen über 16 Jahren, die in Privathaushalten leben, diese Zahl erhoben. Das BFS nutzt dabei die Definition gemäss Behindertengleichstellungsgesetz, nach welcher «Personen, die ein dauerhaftes Gesundheitsproblem haben und die bei Tätigkeiten des normalen Alltagslebens (stark oder etwas) eingeschränkt sind» als Menschen mit Behinderungen gelten. Für die Gesamte Bevölkerung gibt es keine repräsentative Befragung. Das BFS schätzt die Gesamtzahl für 2019 auf 1,8 Mio. Dies würde knapp 21% der Bevölkerung entsprechen, bei der auch Personen, die in Kollektivhaushalten und Institutionen leben und Kinder unter 16 Jahren eingeschlossen sind. 


Behindertenkommission

Die Kommission besteht aus aktuell in einem Amt tätigen Politiker*innen mit Behinderungen und wird von Nationalrat Christian Lohr präsidiert. Sie erarbeitet die inhaltliche Grundlage für die Session. Namentlich einen Resolutionsentwurf, die an der Session diskutiert und verabschiedet wird. 

Christian Lohr

Christian Lohr

Nationalrat Kanton Thurgau, Mitte

Manuele Bertoli

Manuele Bertoli

Regierungsrat Tessin, SP

Vincent Guyon

Vincent Guyon

Stadtrat von Rances, Waadt, Mitte

Simone Leuenberger

Simone Leuenberger

Grossrätin Kanton Bern, EVP

Cyril Mizrahi

Cyril Mizrahi

Grossrat Kanton Genf, SP

Patrizia Mori

Patrizia Mori

Gemeinderätin Lausanne, Waadt, SVP

Maud Theler

Maud Theler

Grossrätin Kanton Wallis, Christlichsoziale Volkspartei (CSP)

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