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Rückschau: Apéro-Austausch mit dem Zürcher Kantonsrat – Pro Infirmis Zürich, 29. Juni 2026

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Ein Abend im Zeichen der Inklusion, des Dialogs und der gemeinsamen Verantwortung.

Am 29. Juni 2026 durfte Pro Infirmis zahlreiche Mitglieder des Zürcher Kantonsrats sowie Regierungsrätin Natalie Rickli und Kantonsratsvizepräsidentin Monika Wicki zu einem Austausch-Apéro begrüssen. Der Anlass bot Raum für direkte Begegnungen, persönliche Einblicke und konkrete Beispiele dafür, wo Menschen mit Behinderungen im Kanton Zürich Fortschritte erleben – und wo weiterhin grosse Hürden bestehen.

Ein eindrücklicher Einstieg: Inklusion beginnt beim Verstehen

Zur Begrüssung setzte Beatrice Schwaiger, Leiterin Beratung Region Ost und Ansprechperson für den Kanton Zürich, ein starkes Zeichen: Sie begrüsste die Gäste in Gebärdensprache. Ein Moment, der bewusst irritierte und verdeutlichte, wie sich Barrieren für Menschen mit Hörbehinderung im Alltag anfühlen.

Der neu erhobene Inklusionsindex 2026 war der rote Faden des Abends und zeigte klar: Vier von fünf Menschen mit Behinderungen fühlen sich in mindestens einem Lebensbereich stark ausgeschlossen. Besonders betroffen sind die Bereiche Politik, Wohnen, Arbeit und Mobilität. Im Kanton Zürich leben rund 180’000 Menschen mit Behinderungen – etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Eine Zahl, die aufzeigt, dass es sich nicht um eine Minderheit handelt.

«Manchmal verpasse ich wichtige Termine wegen einem nicht funktionierenden Lift»

Im Zentrum des Abends standen Kurzinterviews mit Menschen aus dem Netzwerk von Pro Infirmis. Sie gaben Einblick in ihre Lebensrealitäten und zeigten auf, wo politische und gesellschaftliche Veränderungen dringend nötig sind.

Birgit Tognella-Geertsen, Verantwortliche Bildungsklub und Kantonsrätin, sprach mit Matyas Sagi-Kiss, Kantonalkommissions- und Vorstands-Mitglied von Pro Infirmis, über das Thema «Selbstbestimmtes Wohnen».

Die Anzahl von barrierefreien Wohnungen ist im sowieso hart umkämpften Wohnungsmarkt in Zürich sehr knapp. Und für Menschen mit Behinderungen sind die finanziellen Hürden hoch, zudem sind die Bewerbungsprozesse um geeignete Wohnungen oft nicht für alle zugänglich.

Matyas Sagi-Kiss schilderte, wie wichtig Selbstbestimmung und Sicherheit im eigenen Zuhause sind. Und wünscht sich die konsequente Umsetzung der SIA-Norm 500 und eine Gesetzesänderung. Dass könnte beispielsweise bedeuteten, dass bei Neubauten statt ab 5 Wohnungen bereits ab 4 Wohnungen barrierefrei gebaut werden muss.

Beatrice Schwaiger sprach mit Amir Brunner, Leiter Rechtsdienst bei Pro Infirmis, über seinen beruflichen Weg. Die Zahlen sind deutlich: Vier von fünf Befragten schätzen ihre Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt als schlecht ein.

Amir Brunner berichtete über Hürden im Bewerbungsprozess, fehlende barrierefreie Infrastruktur und darüber, was Arbeitgeber tun können, um Potenziale zu nutzen. Er erzählte auch von Hürden im Berufsalltag, so beispielweise, dass er in der Vergangenheit wichtige geschäftliche Termine verpasst hat, weil ein Lift am Bahnhof Stadelhofen nicht funktioniert und er bei der Anreise einen Umweg in Kauf nehmen musste. Sein Appell: Menschen mit Behinderungen brauchen faire Chancen im Arbeitsmarkt – und Unternehmen profitieren davon.

Das letzte Gespräch drehte sich um das Thema «Mobilität». Matyas Sagi-Kiss zeigte im Gespräch mit Alexandra Baumann auf, wie Mobilität über Teilhabe entscheidet. Und berichtete eindrücklich von einer Bahnreise, in welcher sich ein Zugabteil plötzlich leerte, weil er mit einer Person mit einer Sprechbehinderung unterwegs war, was die Mitreisenden offenbar stark irritierte. Ein Beispiel, das zeigt, dass die Barrieren in den Köpfen der Gesellschaft ebenso vorhanden sind wie die Barrieren in baulich-infrastruktureller Form.

Politische Verantwortung und Ausblick

Zum Abschluss wurde das Thema «Politik» thematisiert: Knapp drei von vier Menschen mit Behinderungen fühlen sich in der Politik nicht gut vertreten. Damit verschenken die Gesellschaft und insbesondere die Parteien wertvolles Potenzial.

Pro Infirmis stellte den Gästen den Inklusions-Check für Parteien vor – er zeigt auf, wie politische Akteure konkret zu mehr Inklusion beitragen können.

Der abschliessende Apéro bot Raum für vertiefte Gespräche, Vernetzung und Austausch. Im Dialog wurde klar: Inklusion gelingt nur gemeinsam – mit politischer Unterstützung, gesellschaftlicher Sensibilität und dem Mut, Barrieren konsequent abzubauen.

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