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Miteinander und mittendrin

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In der Serie «Miteinander und mittendrin» porträtiert die «Südostschweiz» drei Klienten von Pro Infirmis: sie alle sind Mitglied der Gruppe «Mitsprache Glarnerland», die zeigen will, was es heisst, Inklusion zu leben. An dieser Stelle fassen wir für Sie die Porträts im Überblick zusammen. 

Die Gruppe «Mitsprache Glarnerland» hat ihren Ursprung im «Stellvertreterkurs» von Pro Infirmis Glarus. Den Kurs haben die drei Protagonisten mit grossem Engagement besucht, Fragen nach der Selbstermächtigung wurden nachgegangen: «Wie werde ich vom 'Behinderten' zum 'Mitmenschen', wie kann ich Ausgrenzung überwinden?» Doch damit nicht genug: im neu gegründeten Organisationskomitee (OK) bereiteten die drei Protagonisten die Fotoausstellung «Photovoice» vor, die mit eigenen Fotos und Texten Einblicke in die Gefühlswelt und das Alltagsleben beeinträchtigter Menschen gibt. 2019 fand die Präsentation – diesmal konzipiert als Wanderausstellung –  im Kantonsspital Glarus statt. Ein überwältigender Erfolg, doch Corona verunmöglichte die Weiterführung der Ausstellung. Die Selbstvertreter liessen sich aber nicht entmutigen und gründeten mit gestärktem Selbstbewusstsein die Gruppe «Mitsprache Glarus». Fortan treffen sich die Teilnehmenden wöchentlich, um weitere inklusive Projekte auszuarbeiten und Möglichkeiten zu finden, ihre Anliegen nach aussen zu tragen – wir sind gespannt!

Michael Stierlin

Einer der Pioniere des Projekts ist Michael Stierlin. Schon 2015 war er an der ersten Fotoausstellung und anschliessenden Podiumsdiskussion beteiligt. Michael ist heute angekommen bei sich selbst, wie er sagt. Das war nicht immer so. Der Weg von Michael war steinig und er hatte viele Schicksalsschläge zu überwinden. Bei der Geburt hinterliess eine kurzzeitiger Stopp der Sauerstoffzufuhr Spuren im Gehirn: in der Schule war er überfordert, er konnte nicht mithalten mit dem Lerntempo. 1992 erlitt er dazu einen schweren Unfall. Doch Michael ist ein Kämpfer. Nach der Ausbildung in der Stiftung Bühl und einer Anlehre als Schreiner, fand er eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt, bei einer Schreinerei, bei der noch heute zu 80% angestellt ist. 

Trotzdem haderte Michael mit sich selbst. In jungen Jahren verlor Michael seine Mutter durch Suizid, ein Erlebnis, das ihn nachhaltig traumatisierte. Er fing an zu trinken und Beziehungen zu seinen Nächsten gingen in die Brüche. Erst nach dem Entzug im Spital und der Aufarbeitung der Traumata in der die psychiatrischen Klinik fängt sich Michael wieder auf. Michael ist stolz die Alkoholsucht überwunden zu haben und den Kontakt zu seinen Geschwistern wiederhergestellt zu haben. Der wöchentliche Einsatz der Putzhilfen gibt ihm Stabilität und eine Beiständin hilft ihm bei der Administration. Prägend waren aber vor allem seine Erfahrungen im Stellvertreterkurs von Pro Infirmis: Michael betont, wie wichtig der Kurs für sein Selbstbild und das neu gewonnenene Selbstbewusstsein war. Michael findet nun Freude am öffentlichen Auftritt und will mehr Verantwortung übernehmen, nicht zutetzt in der Gruppe «Mitsprache Glarnerland».   

Lesen Sie die ganze Reportage von Sabine Tschudi im Abo auf:

"Eine weite Reise zu sich selber", Südostschweiz vom 21.5.21

Nächstes Porträt folgt am 10.8

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