Fallbeispiel: Dilan und Mustafa pflegen Robin. Kostenlos.
Am 30. Oktober, dem Tag der pflegenden und betreuenden Angehörigen, sagt Pro Infirmis Danke. Zum Beispiel der Familie von Robin. Sie hat ihr Leben um ihren Sohn herum neu aufgebaut und pflegt und betreut ihn. Ohne Entschädigung.
Noch etwas vorsichtig, aber mit einem strahlenden Lächeln rutscht Robin zum ersten Mal allein die Rutschbahn hinunter und wird dort von Papa Mustafa aufgefangen. Für Robin und seine Eltern ein magischer Moment. Der 3-Jährige scheint seine neue Lebensqualität in vollen Zügen zu geniessen. Und zu schätzen. Denn dass dies nicht selbstverständlich ist, hatte Robin schon ganz früh erfahren. Bereits kurz nach seiner Geburt musste er künstlich beatmet werden, da seine Lunge nicht richtig funktionierte.
Das war für die Familie ein tiefer Schock. Und eine Herausforderung, die ihr Leben veränderte.
Keine Zeit zum Durchatmen
Nach drei langen Monaten im Spital durfte der Junge nach seiner Geburt erstmals nach Hause. Dort musste er jedoch weiterhin mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden. Eine enorme emotionale und organisatorische Herausforderung, denn Robins Atmung musste ständig überwacht werden. Man konnte ihn keine Minute unbeaufsichtigt lassen. Zeit, um selbst einmal durchzuatmen, hatten Mustafa und Dilan A. während dieser intensiven Phase nicht. Da Grosseltern oder andere Verwandte weit weg leben, können sie nicht eben mal kurz einspringen, um die erschöpften Eltern zu entlasten.
Pro Infirmis als Konstante
In dieser fordernden Phase war der Rückhalt von Pro Infirmis für Familie A. besonders wichtig und ist es bis heute geblieben. «Frau G. von der Sozialberatung hat uns in dieser emotionalen Zeit aufgefangen und von der ersten Sekunde an unterstützt – egal, um was es ging», erzählt Mustafa A. dankbar. Die Sozialarbeiterin erklärte den entkräfteten Eltern, welche Entlastungsangebote es gibt, und prüfte Abrechnungen oder andere offizielle Schreiben rund um Robins Gesundheit. Zudem koordinierte sie den Austausch mit der Sozialarbeiterin des Kinderspitals und half beim Beantragen von externen Unterstützungsangeboten wie der Elternschaftsbeihilfe. «Wir sind enorm froh, dass wir uns in dieser Ausnahmesituation einfach auf unser Kind konzentrieren konnten», sagt Mama Dilan.
Pflegende Angehörige brauchen mehr als Dank
Wie viele andere pflegende betreuende Angehörige leisten Robins Eltern Dilan und Mustafa A. jeden Tag unbezahlbare und leider auch unbezahlte Arbeit. Und wie so viele andere brauchen sie mehr Unterstützung – nicht nur in Form von Wertschätzung, sondern durch konkrete politische und strukturelle Massnahmen.
Denn viele pflegende Angehörige übernehmen Leistungen, die sonst Fachpersonen erbringen würden. Dennoch sind diese Leistungen – wie beim Assistenzbeitrag der IV – oft von einer Vergütung durch die Versicherungen ausgeschlossen. Dabei forderte die Politik bereits vor über einem Jahrzehnt, dass Angehörige für ihre Assistenzarbeit entschädigt werden. Die Umsetzung? Lässt bis heute auf sich warten.
Unterstützen Sie pflegende Angehörige mit einer Spende
Pro Infirmis steht Familien wie der von Robin zur Seite – mit Beratung, praktischer Hilfe und finanzieller Entlastung. Tragen auch Sie dazu bei, Angehörige von Menschen mit Behinderungen zu entlasten! Ihre Spende finanziert zum Beispiel eine Beratung und ermöglicht so eine individuelle und professionelle Begleitung der Familien.
Dank an alle, die täglich begleiten
Wir von Pro Infirmis sagen Danke: Danke an all die pflegenden und betreuenden Angehörigen, die sich um eine geliebte Person kümmern. Am 30. Oktober, dem Tag der pflegenden und betreuenden Angehörigen, denken wir an sie. Denn es ist nicht nur eine Frage der Anerkennung, sondern auch der Gerechtigkeit – pflegende und betreuende Angehörige verdienen mehr als Dankbarkeit: Sie verdienen auch konkrete Massnahmen der Politik.
Veranstaltungen
St. Gallen
Zusammen mit diversen Organisation organisieren wir in St. Gallen einen Überraschungsdank. Damit die Überraschung perfekt ist, überbringen Kurierinnen und Kuriere am Donnerstag, 30. Oktober im Namen der Betroffenen die Geschenke an die Angehörigen.
Graubünden
Pro Infirmis Graubünden beteiligt sich an der Aktion des Gesundheitsamtes Graubünden. Am Tag der pflegenden Angehörigen werden kleine Geschenkartikel verteilt.
Aargau
Pro Infirmis Aargau schafft gemeinsam mit anderen Organisationen einen Raum für Information, Austausch und konkrete Unterstützung. Dieser Anlass richtet sich vor allem an pflegende Angehörige 65+, weil gerade bei älteren Angehörigen die Kräfte oft an Grenzen stossen. Eine Anmeldung ist erwünscht, bitte bis am 20. Oktober.
Freiburg
Im Kanton Freiburg werden zwei Sozialarbeiterinnen von Pro Infirmis im Rahmen eines Anlasses des Vereins «Proches Aidants Fribourg» und der Direktion für Gesundheit und Soziales Gesprächsrunden an der Veranstaltung zum Thema pflegende Angehörige leiten.
Zürich
«Das kleine Glück schätzen» ist ein Podcast mit und über betreuende Angehörige und erscheint am 30. Oktober. In der aktuellen Folge erzählt Anja Kutter vom Leben nach dem Skiunfall ihres Ehemannes, des Zürcher Nationalrats Philipp Kutter. Die daraus entstandene Tetraplegie veränderte den Alltag der ganzen Familie.
